
Rund 28 bis 45 Prozent der Bevölkerung bilden im Darm sogenannte Divertikel aus, Ausstülpungen in der Darmwand. Meistens sind die Personen völlig symptomfrei und eine Behandlung ist nicht notwendig. Wenn es jedoch zu Entzündungen kommt und sich eine Divertikulitis ausbildet, ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Prof. Dr. Nadja Lehwald-Tywuschik, Chefärztin der Viszeral- und Allgemeinchirurgie im Allgemeinen Krankenhaus Viersen, hat jetzt in ihrem Vortrag „Der Dickdarm in Not – Divertikulitis verständlich erklärt“ Ursachen, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und Prävention vorgestellt.
Typische Symptome sind plötzliche Bauchschmerzen meist im linken Unterbauch, Fieber und Verdauungsprobleme. Die Divertikel entstehen vor allem im Dickdarm und sind in westlichen Industrieländern weit verbreitet, besonders mit zunehmendem Alter. So steigt die Inzidenz bei über 70-Jährigen auf über 60 Prozent an. Zu den typischen Risikofaktoren gehören ballaststoffarme, ungesunde Ernährung, Flüssigkeitsmangel, zu wenig Bewegung, zu hoher Alkohol- und Nikotinkonsum sowie Adipositas. So dient das Vermeiden dieser Risikofaktoren zur Vorbeugung gegen Divertikel. Leidet ein Patient bereits an Divertikeln, kann ein gesunder Lebensstil das Fortschreiten der Krankheit eindämmen. Dass immer mehr Menschen – zunehmend auch jüngere – an Divertikulitis erkranken, zeigte das hohe Besucheraufkommen und der hohe Fragebedarf der Betroffenen.
Divertikulitis tritt in unterschiedlichen Ausprägungen und Schweregraden auf. Die Medizin unterscheidet dabei eine unkomplizierte von einer komplizierten Divertikulitis. „Eine akute unkomplizierte Divertikulitis (Typ 0 und 1) kann medikamentös mit einem oral verordneten Antibiotikum behandelt werden, eine komplizierte Divertikulitis sollte stationär therapiert werden“, sagt die Chefärztin. Die Ausbildung von Abzessen und Fisteln zählt zu den komplizierten Fällen, und schon Mikroabzesse (2a) von unter drei Zentimetern sollten stationär behandelt werden. „Makroabzesse (2b) von über drei Zentimetern können zusätzlich mithilfe der bildgebenden Computertomografie drainagiert werden“, erklärt Prof. Lehwald-Tywuschik. Das bedeutet, dass in einem minimal-invasiven Eingriff die Flüssigkeit aus dem Abzess gezogen wird und die Abszesshöhle mittels Drainage gespült werden kann. Bei therapierefraktären Makroabzessen und bei einem Darmdurchbruch, bei dem auch Stuhlflüssigkeit in den Bauchraum gelangt (fäkale Peritonitis, 2c), kann eine offene Operation notwendig werden, im zweiten Fall sogar eine Not-OP.
„Bei der geplanten Operation wird immer versucht, das Sigma, den sogenannten Krummdarm, mittels minimal-invasiver Technik zu entfernen, so dass auch auf einen künstlichen Darmausgang verzichtet werden kann. So ist nur in seltenen Fällen mit Komplikationen eine vorübergehende Stomaanlage erforderlich“, betont Prof. Lehwald-Tywuschik. Das sei aber immer die letzte Option.
Divertikulitis gehört heute zu den häufigen Erkrankungen des Darms und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Damit es erst gar nicht zur Ausbildung eines höheren Schweregrads oder zu einem chronischen Verlauf kommt, rät die Expertin bei Beschwerden zu einer frühen Abklärung, vor allem bei unspezifischen Bauchschmerzen. (24.8.2026)