Stuhlauffälligkeiten sind bei uns kein Tabu

Der Chefarzt der Gastroenterologie, Dr. Mathias Friebe, sprach ganz ohne Tabu über Stuhlauffälligkeiten wie Durchfall und Verstopfung. Foto: AKH Viersen
Durchfall, Verstopfung oder Veränderungen beim Stuhlgang sind unangenehm – und werden deshalb häufig verschwiegen. Dabei können sie wichtige Hinweise auf gesundheitliche Probleme geben. Dr. Mathias Friebe, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie am AKH Viersen, erklärte in seinem Vortrag „Zu fest – zu flüssig? – Stuhlauffälligkeiten sind für uns kein Tabu“, was normal ist, wann ein Besuch beim Arzt sinnvoll ist und die Beschwerden abgeklärt werden sollten und was im Alltag helfen kann.
„Der Stuhl sollte geformt sein, aber nicht zu hart und nicht flüssig“, sagte Friebe. Zwischen drei Mal pro Woche und drei Mal am Tag gelte bei der Häufigkeit „als normal“. Auch die Farbe darf variieren – von hell- bis dunkelbraun. Deutlich ernster können anhaltende Veränderungen sein. Gewichtsverlust, Blutarmut, starke Bauchschmerzen und Krämpfe, Übelkeit und Erbrechen oder Kreislaufprobleme können Warnzeichen sein. Dann sei eine ärztliche Untersuchung ratsam.
Drei Kriterien kennzeichnen einen Durchfall: „Zu oft, zu dünn, zu viel.“ Dauert er länger als vier Wochen an, gilt er als chronisch und sollte ärztlich untersucht werden. Auslöser können unter anderem Medikamente wie Antibiotika oder Schmerzmittel sein, aber auch Erkrankungen wie Morbus Crohn oder ein Reizdarm-Syndrom. Für akute Beschwerden gibt es als erste Hilfemaßnahmen einfache Möglichkeiten, die den Darm unterstützen können. Cola und Salzstangen seien allerdings nur bedingt geeignet, da Cola zu viel Zucker und Salzstangen zu wenig Salz enthielten. Ungesüßter schwarzer Tee, der mindestens 15 Minuten ziehen sollte, könne dagegen durch seine Gerbstoffe die Darmoberfläche verdichten und damit den Flüssigkeitsverlust verringern. Äpfel und Bananen enthalten Pektin, das auch Flüssigkeit bindet.
Umgekehrt gehört Verstopfung zu den häufigsten Beschwerden der modernen Lebensweise. Stress, Bewegungsmangel und eine ballaststoffarme Ernährung können die Verdauung beeinträchtigen. Von einer dauerhaften Einnahme von Abführmitteln rät der Chefarzt ab. Hilfreich können dagegen eine veränderte Sitzposition auf der Toilette mit einem Hocker unter den Füßen und regelmäßige Bewegung. Ballaststoffreiche Lebensmittel wie eingeweichte Haferflocken, Flohsamen oder Backpflaumen unterstützen die Verdauung – allerdings nur mit ausreichend Flüssigkeit. Besonders empfehlenswert: zwei Kiwis täglich, möglichst mit Schale. Sie liefern viele Ballaststoffe, ohne Blähungen zu verursachen.
Trinken, Bewegung und Ballaststoffe können viel bewirken – „aber der Effekt ist endlich“. Wer seinen Körper beobachtet und bei anhaltenden Veränderungen rechtzeitig ärztlichen Rat sucht, kann möglichen Erkrankungen frühzeitig auf die Spur kommen. Stuhlgang ist kein Tabuthema, sondern ein wichtiger Teil der Gesundheit.