Das interdisziplinäre Team zur Behandlung von Inkontinenz: Dr. Asuncion Martin Delagdo, leitende Oberärztin der Gynäkologie, ihre Kollegin Cathrine Falck-Czabaun, Dr. Knut Franke, Chefarzt der Urologie, und Johannes Libam, Oberarzt in der Viszeral- und Allgemeinchirurgie.

Das interdisziplinäre Team zur Behandlung von Inkontinenz: Dr. Asuncion Martin Delagdo, leitende Oberärztin der Gynäkologie, ihre Kollegin Cathrine Falck-Czabaun, Dr. Knut Franke, Chefarzt der Urologie, und Johannes Libam, Oberarzt in der Viszeral- und Allgemeinchirurgie. Foto: AKH Viersen

Jährlich begeht die Deutsche Kontinenzgesellschaft die Weltkontinenzwoche. In diesem Jahr wurden vom 15. bis zum 21. Juni bundesweit Veranstaltungen angeboten, und das Allgemeine Krankenhaus Viersen beteiligte sich zum ersten Mal mit gleich zwei Angeboten an dieser Aktion.

Was viele nicht wissen, dass auch junge Menschen – vor allem Schwangere – von ungewolltem Harnverlust und weniger von Stuhlverlust betroffen sind. Speziell für diese Betroffenengruppe entwickelten die Leitende Oberärztin der Gynäkologie, Dr. Asuncion Martin Delgado, Hebamme Monika Bauten und die Physiotherapeuten Sandra de Oliveira und Uli Holtermann ein Abendprogramm. Dr. Martin Delgado stellte in ihrem Kurzvortrag Therapieformen vor, die Schwangere über die meist begrenzte Zeit der Inkontinenz hinweghelfen. Das Besondere an diesem Abend: Die Teilnehmer probierten nach dem theoretischen Einblick direkt die vorgeschlagenen Beckenbodenübungen aus. In zwei Gruppen erhielten sie aus der Sicht der Hebamme und der Sicht der Physiotherapeuten unterschiedliche Tipps für gezieltes Beckenbodentraining. Tamara Theissen fand das Angebot „super“. „Ich habe während der Übungen direkt etwas gemerkt“, sagt sie. Sie wolle die Übungen auf jeden Fall fortsetzen, damit sich ihre nur leichte Inkontinenz nach der Geburt erst gar nicht verstärkt.

Wie Betroffene mit den Symptomen lernen umzugehen, die Beschwerden mindern können und welche Therapieformen es gibt, erklärten drei Experten der Klinken für Gynäkologie, Urologie und Viszeralchirurgie in ihren Vorträgen in der zweiten Veranstaltung unter dem Titel „Was tun bei Inkontinenz“. „Es muss nicht immer eine Operation sein. Der erste Schritt ist immer die Therapie mit konservativen Behandlungsmethoden“, da sind sich die Fachärzte nicht nur einig, sondern sie arbeiten eng interdisziplinär zusammen und tauschen sich über die „Fälle“ aus. Für alle Fachrichtungen gilt:  Die Behandlungsmethoden staffeln sich in konservativ, medikamentös und operativ. Ziele ist es, die Ursachen der Inkontinenz zu beseitigen und die Lebensqualität der Betroffenen wiederherzustellen.

Der Proktologe Johannes Libam, Oberarzt in der Viszeral- und Allgemeinchirurgie, gab einen Überblick über Ursachen, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten bei Stuhlinkontinenz. Der Proktologe unterteilt die Dranginkontinenz in den unwillkürlichen Verlust von festem und flüssigem Stuhl und Abgang von Luft ein. Erstes Ziel der Therapie sei es, den Stuhl einzudicken, damit das sensorische System wieder zu funktionieren lernt. Eine angepasste Ernährung und Beckenbodentraining in Kombination mit der sogenannten Biofeedback-Methode, bei der der Patient lernt, den Schließmuskel anzuspannen, gehören zu den Standardtherapien. Bei der Stuhlinkontinenz werde eine operative Maßnahme so lange wie möglich hinausgezögert, die Möglichkeiten sind vielfältig.

„Für eine Harninkontinenz beim Mann gibt es verschiedene Risikofaktoren“, erklärte Dr. Knut Franke, Chefarzt der Urologie. Alter und Gewicht, neurologische Erkrankungen, Depressionen und Diabetes können zu Inkontinenz führen. Eine umfangreiche Diagnostik mit einer ausführlichen Anamnese, Führen eines sogenannte Miktionstagesbuchs und speziellen Messungen, die den Harnfluss und -druck nachweisen, analysieren die Ursachen und sind Grundlage für eine Therapie. Eine vergrößere Prostata zählt zu den Hauptursachen für Harninkontinenz beim Mann. Eine Prostataausschabung wird im AKH durch eine moderne Wasserdampftherapie, die effektiver, schmerzfreier und nachhaltiger ist, ersetzt. „Ziel ist es, die Ursachen für die Inkontinenz zu beseitigen“, sagte Dr. Franke.

Die Zahlen, die Dr. Asuncion Martin Delgado aufrief, waren ernüchternd: Rund zehn Millionen Menschen sind bundesweit von Inkontinenz betroffen, für 74 Prozent wirkt sich das negativ auf ihren Alltag aus, bei 70 Prozent geht das Selbstwertgefühl verloren und 68 Prozent spüren eine psychische Auswirkung. Anhand eines Fallbeispiels erklärte die Expertin, dass eine genaue Diagnostik entscheidend für den Erfolg der Behandlung sei. Eine Kombination aus verschiedenen Methoden (Östrogensalbe, Beckenbodentraining und ein sogenannter Würfelpessar) konnten Abhilfe schaffen.

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