Zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden unter verschieden starken Formen der Inkontinenz. Gemeinsam haben sie, dass eine Besserungschance von 80 bis 90 Prozent besteht. Um darauf aufmerksam zu machen, begeht die Deutsche Kontinenz-Gesellschaft e.V. jährlich die Weltkontinenzwoche. Vom 15. bis zum 21. Juni werden dezentral in diversen Einrichtungen vor Ort Veranstaltungen angeboten. Das Allgemeine Krankenhaus Viersen lädt in diesen Tagen zu zwei Veranstaltungen ein.
Inkontinenz bedeutet, dass die Fähigkeit, Blasen- oder Darminhalt einzuhalten oder kontrolliert abzugeben, fehlt. Und da Inkontinenz keine Frage des Alters ist, kann es auch Schwangere treffen. Am Mittwoch, 17. Juni, widmen sich die Leitende Oberärztin der Gynäkologie, Dr. Asuncion Martin Delgado, Hebamme Monika Bauten und zwei Physiotherapeuten des AKH um 17 Uhr dieser Betroffenengruppe. Mit einem speziell auf die Bedürfnisse von Schwangeren zugeschnittenen Vortrag und Übungen fürs Beckenbodentraining wird der Abend theoretisch und praktisch gestaltet.
Wie Betroffene mit den Symptomen lernen umzugehen, die Beschwerden mindern können und welche Therapieformen es gibt, erklären drei Experten der Klinken für Gynäkologie, Urologie und Viszeralchirurgie in ihren Vorträgen am Samstag, 20. Juni, ab 11 Uhr. Sie sind sich einig: Es muss nicht immer eine Operation sein. Der erste Schritt ist die Therapie mit konservative Behandlungsmethoden.
Bei der Harninkontinenz unterscheidet Dr. Asuncion Martin Delgado, Leitende Oberärztin der Frauenklinik, die Drang- und Belastungsinkontinenz sowie Mischformen. „Weil die Ursachen und Ausprägungen so individuell sind wie die Frauen selbst, ist eine detaillierte Diagnostik unerlässlich“, sagt Martin. Im AKH werden alle gängigen Verfahren durchgeführt. Eine spezielle Ultraschalluntersuchung (Pelvic-Floor-Sonografie) ermöglicht eine dynamische, funktionelle und morphologische Darstellung der Beckenbodenmuskulatur und der Organe wie Blase, Harnröhre, Vagina, Gebärmutter und Rektum in Ruhe und unter Anspannung oder Belastung (wie Pressen). Bei Bedarf werden die Druckverhältnisse in Blase und Harnröhre mithilfe eines Computers bei der sogenannten urodynamischen Untersuchung gemessen. Zur Diagnostik gehört außerdem ein umfangreiches persönliches Beratungsgespräch über die optimalen Behandlungsmöglichkeiten und deren Erfolgschancen. Die Oberärztin betont: „Zunächst schöpfen wir alle konservativen Behandlungsmethoden aus, die oft sehr erfolgreich sind“, sagt Martin. Eine Operation sei immer die letzte Möglichkeit.
Die Beschwerden des Mannes werden in der Klinik für Urologie diagnostiziert und therapiert. Der Chefarzt Dr. Knut Franke referiert über verschiedene Formen und Ursachen der Harninkontinenz beim Mann. Es werden Möglichkeiten bis zur Implantation eines künstlichen Schließmuskels aufgezeigt, um die Belastungen im Alltag zu verbessern.
Für viele Betroffene ist die Stuhlinkontinenz wesentlich unangenehmer als die Harninkontinenz. Betroffen sind beide Geschlechter, wobei Forschungsergebnisse sagen, dass Darminkontinenz bei Frauen häufiger auftritt als bei Männern. Diese begründet sich durch die unterschiedliche Anatomie von Mann und Frau: Das Becken weiblicher Betroffener ist anders aufgebaut als das von Männern und zudem häufig durch Schwangerschaften „vorbelastet“. Neben einer Entbindung können auch Schließmuskel- und Beckenbodenschwäche, eine Krebserkrankung oder Nervenschädigungen Ursache für eine Stuhlinkontinenz sein. Der Oberarzt und Proktologe Johannes Libam erklärt verschiedene Therapieansätze, die auf die Ursache und Symptome abgestimmt werden.
Nach jedem Vortrag können die Teilnehmenden Fragen stellen und anschließend mit den Experten bei einem „Meet the Experts“ mit Imbiss ins Gespräch kommen. Die kostenlose Veranstaltung beginnt am 20. Juni um 11 Uhr, Vortragsort ist der Konferenzraum. Der Weg dorthin ist ab dem Haupteingang, Hoserkirchweg 63, ausgeschildert. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

(v.l.) Dr. Asuncion Martin Delgado, leitender Oberärztin in der Frauenheilkunde, Physiotherapeutin Sandra de Oliveira und Hebamme Monika Bauten.